Worldbuilding-Chaos-Fantasy-Welt-erschaffen
Worldbuilding-Chaos:
Wie ein nächtlicher Geistesblitz meine Fantasy-Welt auf den Kopf stellte
Hey Wölfe. Wer kennt es nicht? Wenn plötzlich ein echtes Worldbuilding-Chaos ausbricht, weil man versucht, eine neue Fantasy-Welt zu erschaffen. Manchmal gibt es da nur diesen einen kaum wahrnehmbaren Gedanken. Doch schnell und meistens mitten in der Nacht wird er zu einem so starken Pulsieren, dass du einfach aufstehen und es aufschreiben musst. Sonst findest du keine Ruhe. Er will raus. Und nichts und niemand kann ihn aufhalten. So auch bei mir.
Wie aus einem kleinen Funken ein mächtiger Berg wurde …
Irgendwo mitten in der Nacht …
Gähnend sitze ich am Schreibtisch. Mal wieder habe ich die Zeit vergessen. Mittlerweile läuten die Vögel schon den neuen Tag ein. Draußen verdrängen die ersten Sonnenstrahlen den Rest der Nacht. Ich werfe einen Blick auf die Uhr neben mir. Mist! Es ist schon 6:30 Uhr.
Mein Rücken schmerzt. Der Magen grummelt und meine Augen können nur noch mit Zahnstochern offen gehalten werden. Verdammt, ich brauche unbedingt meinen Morgenkaffee. Aber als mein Blick auf dem Laptop hängen bleibt, lächle ich zufrieden. Da ist er. Mein majestätischer Berg, den ich so sehnsuchtsvoll gesucht habe.
Bevor ich aufstehe, strecke ich meine müden Knochen. Alles knackt. Ein paar Mal drehe ich mich nach links und rechts und bin endlich bereit aufzustehen.
Pfeifend schlendere ich in die Küche und bereite eine ganze Kaffeekanne vor. Die Sonne dringt mit ihren sanften Strahlen langsam ins Zimmer ein. Ich öffne das Fenster, um die frische Luft durchs Haus streifen zu lassen. Draußen riecht es nach frisch gemähtem Gras. Tief atme ich ein.
Selbst der melodische Vogelgesang von vorhin ist wieder da. Alles könnte so entspannt sein. Ja, fast schon romantisch.
Wäre da nicht …
Aus dem Zimmer gegenüber kracht es. Jemand stolpert gegen die Tür. Dann wird sie aufgerissen. Kurz zucke ich zusammen und starre in weit aufgerissene Augen, die von dunklen Ringen untermalt sind. Wild zerzauste Haare, eine schief sitzende Brille auf der Nase und ein falsch zugeknöpftes Flanellhemd schreien mich förmlich an. Mit offenem Mund starre ich ihn an.
„Guten Morgen, Pauli. Was ist? Haben Sie noch nie jemanden gesehen, der gerade erst aufgewacht ist?“, brummt mich Herr Professor Schlau Wolf an. Ich nicke nur.
„Wo ist mein Kaffee?“, gähnt er und hüpft auf einem Bein zu mir hin. Eine Pfote steckt in der Socke, die andere hält er noch fest in der Hand. Hastig zeige ich mit dem Finger auf die Maschine.

Er nickt. Unauffällig mustere ich ihn. Frauenbesuch? Nein! Definitiv keine roten Ohren. Arbeit? Definitiv.
Er räuspert sich laut, sodass mir fast meine Tasse aus der Hand fällt.
„Pauli, Sie wissen aber schon, dass der Kaffee heute noch fertig sein soll?“, sagt er mit strenger Stimme. Ohne Kaffee mutiert der Prof jedes Mal aufs Neue zur Diva.

„Mhm. Harte Nacht?“, frage ich vorsichtig. Sein Kopf schnellt zu mir herum.
„Wie … wieso?“
Ich zucke unschuldig mit den Schultern.
„Pauli, das heißt: Haben Sie eine harte Nacht gehabt? Werden Sie jetzt nicht auch zu diesen Snobs, die die Hälfte der Wörter verschlucken, nur weil sie zu faul sind, sie auszusprechen“, motzt er mich in gewohnt zickiger Manier an.
Hitze steigt mir ins Gesicht.
„Natürlich. Entschuldigen Sie.“
Schweigen. Diese Stille ist nicht auszuhalten. Meine Finger kribbeln, sodass ich nach einer Tasse für den Prof krame.
„Harte Nacht?“, wiederholt er beleidigt die Frage.
„Gewiss. Oder glauben Sie etwa, ich spiele im Zimmer Battlefield?“

Ein Grinsen huscht mir übers Gesicht. Jetzt verstehe ich auch, was diese Geräusche waren.
Ich drehe mich ihm wieder zu. „Nun … es wäre nicht das erste Mal, dass Sie eine ‚Abhandlung über Games und ihre Spielmethoden‘ schreiben“, zwinkere ich und ziehe die größte je gesehene Tasse aus meinem Schrank.
Verflucht! Woher kommt die denn jetzt? Als ich sie mir genauer ansehe, strahlt mir ein Selfie vom Prof mit einem Daumen in die Luft gestreckt entgegen. Darunter der Slogan: „Bester Prof ever ever“ und ein rotes Herz-Icon. Fast verschlucke ich mich. Von wem er die wohl bekommen hat? Da passen mindestens zwei Liter rein.

„Bestimmt“, murmle ich und gieße erst mir meine daneben stehende mickrige Tasse ein.
„Ist was?“, fragt er und steht schon neben mir. Er schiebt mich ganz vorsichtig weg, um besser an die Kaffeemaschine zu kommen.
„Nein. Sagen Sie, wie lange glauben Sie, wird das noch mit dem Wasserschaden in Ihrer Wohnung dauern, Prof?“, frage ich dezent nach. Denn so sehr ich ihn auch mochte und wertschätzte – vor allem seinen brillanten Kopf –, gehen mir seine Eigenheiten und seine Divahaftigkeit mehr und mehr auf die Nerven. Er schenkt sich gerade ein und rückt mit einem Finger seine Brille zurück auf die Nase.
„So lange es eben dauert, Pauli. Ihre Generation ist immer so unglaublich ungeduldig“, echauffiert er sich und schüttelt mehrfach den Kopf. Mein Kopf pocht. Frustriert atme ich aus. Immer noch kein Licht am Ende des Tunnels.

Es dauert eine verfluchte Ewigkeit, bis sein als Kaffeetasse getarnter Eimer befüllt ist. Schweigend trommle ich mit den Fingern auf dem Tisch herum.
„Wollten Sie nicht weiterschreiben?“ Er sieht mich über seine Brille streng an. Sofort fühle ich mich wie beim Direktor im Büro und nicke eingeschüchtert. Lautlos ziehe ich mich zurück an meinen Schreibtisch.
Tief atme ich ein und konzentriere mich wieder auf meinen Text. Nämlich: Wie finde ich meinen perfekten Berg?
Nach weiteren 30 Minuten und einer Tasse Kaffee später springe ich freudig vom Stuhl und knalle gegen die harte Brust vom Prof.
„Was brüllen Sie denn so herum, Pauli? Haben Sie den heiligen Gral – wie man einen Bestseller schreibt – endlich entschlüsselt? Oder haben Sie Flöhe?“, meckert er.
Sofort halte ich inne. Nein, Stopp!
„Sorry, Prof, aber ich muss Sie doch nicht wirklich daran erinnern, dass das hier immer noch meine Wohnung ist, oder?!“, sage ich bestimmend. Er räuspert sich peinlich berührt, putzt seine Brille am Tuch ab und setzt sie akkurat auf.
„Was … was haben Sie denn Interessantes geschrieben?“, wechselt er geschickt das Thema. Ich grinse und schüttle ungläubig den Kopf.
„Na, Sie wissen doch, dass in meiner Geschichte noch ein majestätischer Berg gefehlt hat“, erzähle ich stolz, weil ich ihn endlich gefunden habe.
Herr Professor Wolf schiebt seine Brille ein Stück nach vorn und liest sich ungefragt meinen Text durch. Dann blickt er mich mit seiner in Falten gelegten Stirn an.

„Pff. Und dafür haben Sie sich eine ganze Nacht um die Ohren gehauen und diese geschlagene halbe Stunde?“, stellt er sarkastisch fest. Prompt brodelt es in mir. Er ist nur noch einen Schritt davon entfernt, dass ich ihn vor die Tür setze.
„Tja. Genauso lange, wie Sie Ihren Kaffee trinken und die ganze Nacht Battlefield spielen“, antworte ich schnippisch.
Schweigen.
Seine Wangen werden erst zartrosa. Doch jede Sekunde, die vergeht, wird er immer röter. Er streicht sich mit der Pfoten-Hand über den Nacken.

„Nun, ein paar Zeilen haben schon was. Vor allem meine anstrengende Wanderung rauf“, gibt er kleinlaut von sich. Ich schweige und zähle innerlich, bis das ABER kommt.
„Aber … Es gibt Geheimnisse, die sollten Sie für sich behalten, Pauli. Denn nur so kann der Wolfsmythos in uns weiterleben. Und jetzt husch, husch zurück an die Arbeit“, scheucht er mich zurück an den Schreibtisch.
War das etwa ein echtes Kompliment vom Prof?
Ich erwische ihn erneut dabei, wie er auf den Text starrt. Ein kleines Lächeln huscht über seine Lippen.
„Und … und was machen Sie in der Zwischenzeit?“
„Ich?“, fragt er fast schon erschüttert. Schaut sich mehrfach um. Wieder glühen seine Wangen.
„Huch. Schon so spät“, blickt er auf sein nacktes Handgelenk. „Ich … ich gehe mich mal frisch machen“, sagt er und zwinkert.
Dann ist er endlich weg. Ruhe.
Kaum liegen meine Finger auf der Tastatur, steckt er seinen Kopf durch die Badezimmertür.
„Ach, Pauli…“
„Ja?“, frage ich zaghaft mit Bauchgrummeln und der nächsten erwarteten Kritik.

„Geschniegelter Text“, er streckt den Daumen hoch, exakt wie auf seinem Becher, und verschwindet wieder.
Ob ich ihn jemals wieder loswürde? Bis zum nächsten Mal aus dem unfreiwilligen WG-Leben mit dem Prof!
Weltenbau-Chaos: Wie aus Hawaii eine düstere Werwolf-Insel wurde (Und warum mein Berg „Mauna Vaelis“ heißt)
Nerven euch auch eure Figuren oder Mitbewohner beim Schreiben? So unterhaltsam das WG-Chaos mit dem Professor auch ist – dahinter steckt ein echtes Herzensprojekt. Lasst uns mal einen Blick hinter die Kulissen werfen, wie ich diese neue Fantasy-Welt erschaffe. In meinem ganz persönlichen Worldbuilding-Chaos.
Ich hoffe wirklich, dass ihr einen schönen Sommer habt und euch die Hitze nicht in die Knie zwingt. Und da wir schon mal beim Thema „Sommer und Reisen“ stecken, wollte ich euch von einer ganz besonderen Entdeckung erzählen: dem neuesten Schauplatz in meinem Roman-Projekt!
Kennt ihr das, wenn ihr nachts im Bett liegt, eigentlich schlafen wollt und euer Gehirn plötzlich schreit: „Hey, wie wäre es mit einer wilden, ungezähmten Insel voller Werwölfe, Magie und uralten Legenden?“
Genau das ist mir passiert…
Ich wollte keine klassische, langweilige Fantasy-Insel. Ich wollte etwas Rohes, Naturbelassenes. Einen Ort, an dem die Natur noch zurückbeißt. Aber eine Insel braucht ein Herzstück. Einen monumentalen Mittelpunkt. Und was könnte das wohl besser sein als ein gewaltiger Vulkan?
Er musste sich lohnen, um hinaufzuwandern. Schließlich ist Professor Schlau Wolf nicht so schnell zu überzeugen und wahrlich kein Wanderfreund. Er mag die Jagd – aber sie muss gesittet sein, sonst ist er direkt raus. Eben eine richtige Diva.
Ich lag also im Bett und grübelte, wie dieser eine ganz besondere Berg überhaupt aussehen könnte. Irgendwann war der kreative Drang so stark, dass ich aufstehen und recherchieren musste. Und dabei ist mir wieder bewusst geworden, wie unglaublich inspirierend unsere eigene Erde für das Worldbuilding sein kann.
Mein Urlaubs-Flop (Der zum Volltreffer wurde)
Ich muss euch was gestehen: Ich liebe den Namen Mauna Kea. Der echte Vulkan auf Hawaii klingt einfach unglaublich majestätisch, auch wenn ich noch nie dort war. Alles an der hawaiianischen Kultur fasziniert mich. Eigentlich wollte ich meinen fiktiven Berg genau so nennen. Aber der Plot-Polizist Professor Schlau Wolf hat sofort Alarm geschlagen: „Hey Pauli, den gibt es schon in echt. Das merken die Leser sofort!“
Recht hat er ja. Also saß ich eine ganze Nacht vor meinen Notizbüchern, habe literweise Kaffee vernichtet und Buchstaben hin und her geschoben. Ich wollte diesen hawaiianischen, fließenden Klang unbedingt behalten, dem Ganzen aber eine düstere, magische Note verpassen.
Nach gefühlt hundert weggeworfenen Skizzen und wunden Fingern war er da: Mauna Vaelis.
Die Legende von Mauna Vaelis
Für ein tiefgründiges Worldbuilding musste ich dem Berg natürlich sofort eine eigene Geschichte verpassen. Die Werwölfe besteigen den Gipfel nicht einfach nur zum Spaß oder für eine gemütliche Wandertour. Nein, es ist Tradition und eine große Ehre. Selbst hier wird Professor Schlau Wolf wieder zum stolzen Bewohner seiner Insel und kehrt heim.
Die Legende besagt nämlich, dass der Gipfel von Mauna Vaelis permanent im dichten Nebel versunken ist. Wenn der Vollmond am höchsten steht, verblasst die Grenze zwischen Leben und Tod. Die Wölfe steigen hinauf, um das Heulen ihrer Vorfahren zu hören.
Wer die Prüfung des Berges besteht, erhält die rohe, uralte Magie der ersten Gestaltwandler. Wer versagt … nun ja, sagen wir, die Insel ist nicht ohne Grund so wild und gefährlich.

😉 Jedenfalls sollte man sich mit unserem Professor Schlau Wolf besser nicht anlegen. Wir wissen schließlich nicht, wie stark er wirklich ist – und wenn er erst zur Diva wird, wollt ihr ihm dort oben definitiv nicht begegnen!
☕ Professor Schlau Wolfs Schlusswort

Und jetzt seid ihr dran, Rudel!
Wie findet ihr Professor Schlau Wolfs Abschlusswort?
Schreibt mir unbedingt in die Kommentare:
Wie benennt ihr die Orte in euren Geschichten?
Holt ihr euch auch manchmal heimlich Inspiration aus der echten Welt oder erfindet ihr alles komplett von null auf?
Bis zum nächsten Update – haltet die Ohren steif und die Krallen scharf!
Eure Pauli Wolf 🐺
AUUUUUU…