Der Wolf als Osterhase
Der Wolf als Osterhase: Eine etwas andere Ostergeschichte
Gemeinsam: Der Wolf als Osterhase | Von Pauli Wolf | ☕️ Lesezeit: 10 Min.
Was passiert eigentlich, wenn ein Wolf plötzlich zum Osterhasen wird? Eine Geschichte über falsche Ohren, echte Dankbarkeit und die Suche nach dem eigenen Platz. Frohe Ostern mal anders! 🥚🐇
Der Wolf, der unfreiwillig den Osterhasen vertrat.
Eigentlich hatte ich ganz andere Pläne. Ihr wisst schon. Schlafen. Jagen. Etwas herumtollen. Und nicht auffallen. Aber mit den Plänen ist das immer so eine Sache. Nie klappen sie so, wie man es sich wünscht.
Mir war langweilig vom vielen Herumliegen. Also drehte ich eine Runde im Wald.
Eigentlich wie immer. Ein Tag wie jeder andere auch. So dachte ich.
Doch dann aus dem Nichts. Stolperte ich über etwas Rundes und Hartes.
Natürlich war ich mal wieder zu neugierig und schob meine Schnauze rein. Prompt blieb sie stecken. „Mist.“ „Hilfe?!“ Doch niemand half mir.
Es kratzte auf meiner Haut. Die Nase kribbelte. Kleine spitze Seile pickten in den Nasenrücken. Energisch versuchte ich es, mit der Pfote abzustreifen. Was auch immer das war? Panik stellte mir die Rückenfalte auf. Ein paar Mal lief ich gegen den Baum vor mir. Bis das olle Ding endlich von meinen Augen und der Schnauze rutschte.
Ein Korb?! So was Seltsames hatte ich schon Jahre zuvor gesehen. Aber was machte es in meinem Wald? „Müll. Menschen.“ Dröhnte es in meinem Kopf.
Hastig versteckte ich mich hinter einem großen Gebüsch.
Doch der Korb ließ mir keine Ruhe. Also näherte ich mich vorsichtig an.
Lautlos, so wie ich es schon von meinem Vater gelernt hatte.
Es roch leicht streng. Dennoch knurrte mein Magen.
Ein Blick in den Korb und bunte Kugeln blendeten meine Augen.
Was war das? Ein paar Mal blinzelte ich. Dann nahm ich sie genauer unter die Lupe. Es waren bunte Eier.
Auf der Stelle lief mir das Wasser im Munde zusammen. Fast hätte ich sie mit einem Happs verschluckt. Wenn nicht direkt neben mir etwas auf den Boden geplumpst wäre.
Ein erschöpftes Stöhnen schallte durch den stillen Wald. Für eine Sekunde sah ich lange Ohren fliegen, Fell und Füße.
Erneut blinzelte ich, denn direkt neben mir lag ein flauschiger Hase. Flach auf dem Rücken hob und senkte sich sein kleiner Brustkorb. Er sah todmüde aus. Unter seinen Augen zeichneten sich dunkellila Schatten.
Einen Atemzug lang beobachtete ich ihn. Sollte ich ihn jetzt fressen? Es wäre ein leichtes Spiel. Mein Herz hämmerte und meine Vorderpfoten zuckten schon. Ein schneller Angriff. In meinem Kopf hörte ich schon, wie die Krallen seine kleine Kehle aufschlitzten und er überrascht nach Luft röchelte.
Ein zufriedenes Lächeln huschte über meine Lippen. Mit einer energischen Bewegung leckte ich mir über die Zähne und die Lippen. Ja, ich schmeckte schon sein zartes Fleisch auf meiner Zunge. Und fühlte, wie er mir den Gaumen hinunterrutschte.
🐇 „Oh“, seufzte der Hase.
🐇 „Sie hier, Herr Wolf. Dann muss wohl mein Glückstag sein. Wissen Sie, ich bin so müde. Meine Beine sind zu erschöpft, um weiterzuhoppeln. Ich verstehe sowieso nicht, warum es uns, die Hasen zu Ostern getroffen hat. Und nicht euch, die Wölfe. Oder Irma, die Kuh aus dem Nachbarsdorf. Sie wissen schon, die, die sich immer eitel den Rücken mit dem Feger schrubbt und dabei so laut und schief singt“, redete er sich in Rage und ziemlich schnell.
Meine Ohren folgten seinen aufgeregten Klängen kaum. Vor lauter Redeschwall drehte es sich in meinem Kopf. Doch an Irma konnte ich mich noch sehr gut erinnern.
Früher besuchte ich sie jede Nacht. Sie war so blutjung und zart. Manchmal versuchte ich, sie zu küssen. Aber sie floh ständig vor mir. Dabei hatte ich sie doch zum Fressen gern.
Wortlos nickte ich nur. Schließlich hatte ich keinen Schimmer, wovon er da sprach.
🐇 „Ich kündige“, murmelte der Hase neben mir. „Es sind einfach zu viele Kinder. Verwöhnt. Ungehorsam. Geben sich längst nicht mehr mit Eiern zufrieden. Dabei gibt es nicht einmal genug Eier. Zu wenig… Alles. Wie soll man da seine Arbeit gut machen, Herr Wolf?“, klagte er.
Verständnisvoll zog ich die Schultern hoch und legte den Kopf schief. Ja, so fühlte ich mich jedes Mal nach einer erfolglosen Jagd.
Es dauerte nicht eine Sekunde und da setzte er sich rasch auf. Als hätte er einen Geistesblitz. Seltsamerweise zog sich mein Magen zusammen, als er mich so mit seinen riesigen Kulleraugen ansah.
🐇 „Sie… Sie sehen kompetent aus, Herr Wolf“, freute sich der Hase und klatschte in die Pfoten. Eh ich mich versah, drückte er mir auch schon ein paar weiße Ohren in die Pfote. „Wirklich. Nur für heute“, beruhigte er mich.
Bevor ich knurrte und auf ihn drauf springen konnte, war der elendige Hase auch schon davon gehoppelt. Ein Schatten huschte zwischen die Bäume. In der Ferne knisterte der Waldboden, bis er ganz aus meinen Augen verschwunden war.
Stille.
Mehrfach sah ich auf die Ohren, dann auf den Korb. Wieder zurück zu den Ohren.
🐺 „Niemals. Das ist doch lächerlich“, knurrte ich, so laut, dass die Vögel über mir panisch aus dem Baum flohen.
🐺 „Sorry“, flüsterte ich.
Mein Kopf lief auf Hochtouren. Was sollte ich jetzt tun? Wenn ich es nicht täte, dann würden die anderen Tiere mich aus dem Wald jagen. Und die Menschen würden mich erschießen. In Zukunft brauchte ich Verbündete. Denn einsam war ich zwar gut, aber gemeinsam war man einfach viel stärker.
Und so zwang ich mich, nach geschlagenen 10 Minuten mir die Ohren aufzusetzen.
Zuerst versteckte ich ein paar Eier. Ganz ehrlich, ich hatte absolut keine Ahnung, wie man da vorging. Wenigstens hätte mich der Hase etwas einweisen können.
Sauer stapfte ich von einem Baum zum anderen. Anfangs noch viel zu offensichtlich versteckte ich die Eier so, dass sie jeder Dummkopf finden konnte.
Als ich an einem Stadtspielplatz, der direkt an den Wald grenzte, vorbeischlich, kullerten mir ein paar Eier direkt vor die Füße eines Kindes. Prompt schlug ich mir die Pfote vor die Augen. Hitze stieg mir ins Gesicht. Wie konnte ich nur so ungeschickt sein?
Ein blonder kleiner Junge entdeckte mich. Wie auf Knopfdruck blieb ich starr stehen. Doch anstatt vor mir wegzurennen, kam er auch noch auf mich zu. Erst wollte ich schreien. „Lauf weg!“ Aber es kam nur ein Räuspern über meine Lippen.
Er blieb direkt vor mir stehen und blickte mir neugierig in die Augen.
„Hm … du bist aber ein komischer Hase“, stellte er fest.
🐺 „Saisonarbeiter“, brummte ich verlegen.
Er grinste breit, als würde er mich verstehen.
Und von einem Moment auf den anderen machte es Klick. Der Junge hatte keine Angst vor mir. Er klopfte mir dankbar auf die Schulter, als ich ihm ein rotes Ei überreichte.
Zum ersten Mal verspürte ich Dankbarkeit. Keine Angst. Kein Jagen. Keine Verachtung. Nein, pure Freude und ein glückliches Lachen.
Fröhlich und zufrieden hüpfte ich durch den Wald. Langsam ging die Sonne unter und der Korb war fast leer.
Die falschen Ohren saßen mir schief im Gesicht. Doch es machte mir nichts aus. Ich war glücklich. Hatte etwas getan. Und zum ersten Mal hatte ich Freude verbreitet.
Zufrieden mit mir und der Welt sah ich dem Sonnenuntergang entgegen.
„Vielleicht …Vielleicht muss man nicht immer das sein, was alle erwarten.“
Müde, aber glücklich stand ich auf und streckte mich. Dann verschwand ich lautlos zwischen den Bäumen. Mit einem letzten Ei zwischen der Pfote und einem breiten Grinsen im Gesicht.
Frohe Wölfische Ostern! AUUUU 🐺🥚
Jetzt bist du dran! 🐺
Wann hast du das letzte Mal etwas gemacht, das eigentlich gar nicht dein Ding war? Dir aber am Ende trotzdem gutgetan hat? Gab es bei dir auch mal diesen einen Moment, an dem du gedacht hast: Gemeinsam geht alles leichter und besser?
Schreib mir in die Kommentare – ich freue mich auf deine Geschichte!
Frohe Ostern 🐺🥚