Buch – Bedrohliche Gefühle
Dystopie oder Liebesroman?
Hallo Wölfe. Heute möchte ich euch das Buch „Bedrohliche Gefühle“ vorstellen. Am Anfang fragt man, sich: Ist es eine Dystopie oder ein Liebesroman? Fakt ist: Wer Spannung und Gefühle liebt, der wird die Geschichte in einer Nacht verschlingen. Ich muss sogar gestehen, dass ich es schon zweimal gelesen habe. Also viel Spaß beim Schnuppern. 😉
Wie ist das Cover?
Es ist übersichtlich gehalten. Ein Bonus für diese Art des Covers: Jeder Leser hat Spielraum in der Interpretation, worum es eigentlich in dem Buch geht. Die schwarzen Flecken und die goldenen Linien harmonieren elegant miteinander.
Man kann das Cover als „Wolken am Himmel, die sich bedrohlich zusammenziehen“ interpretieren. Oder aber, das Schwarz kann das Tal symbolisieren, das von äußerlichen Gefahren eingekesselt wird. Ebenso kann man es als Bens Berg sehen, der über das Tal ragt.
Wie gesagt, es ist raffiniert gemacht, weil so jeder Leser im Vorfeld schon seine eigenen Ideen einfließen lassen kann. Auch der Titel „Bedrohliche Gefühle“ rundet das ganze Konzept ab.
Wovon handelt das Buch „Bedrohliche Gefühle“?
In einem kleinen Tal, namens Wears Valley ändert sich in 24 Stunden das komplette Leben. Durch einen geomagnetischen Sturm fällt auf der ganzen Welt der Strom aus. Das gesamte Kommunikationsnetz bricht auf einmal zusammen und die Leute sind auf sich selbst gestellt. Sie müssen plötzlich um ihr Leben kämpfen. Auch Wears Valley ist von der Außenwelt abgeschottet.
Die Prognose des Militärs und von den Politikern: 90 % der Weltbevölkerung werden diesen Sonnensturm nicht überleben. Die Welt bricht zusammen und das Leben, wie man es vorher kannte, existiert nicht mehr.
Ben Jernigan, ein Ex-Soldat, lebt zurückgezogen auf einem abgeschiedenen Berg. Von Anfang an vermeidet er jeglichen Kontakt zu den Talbewohnern. Er mischt sich nur unters Volk, um seine Einkäufe zu machen, zu tanken und seine Vorräte aufzufüllen. Dank seiner militärischen Vergangenheit und der schrecklichen Erlebnisse weiß Ben sich für einen Ernstfall zu wappnen. Er lebt vollkommen autark und kann jagen.
Eines Nachts wird Ben von einem alten Freund vorgewarnt, dass schon bald auf der ganzen Welt die Lichter ausgehen werden. Sofort trifft er alle Vorkehrungen. Er ist geübt darin, minimalistisch zu leben, sodass er sich keine allzu großen Sorgen macht.
Seine letzten wichtigen Besorgungen will er eigentlich im Tal machen, entscheidet sich dann aber, sie in der Tankstelle von Sela Gordon zu erledigen. Sie ist die Einzige, mit der sich Ben seltsamerweise verbunden fühlt. Die etwas bei ihm auslöst, was ihn leicht nervös macht.
Sela Gordon ist eher schüchtern und auch lieber nur für sich. Zwar ist sie Teil der Gemeinde, aber auch sie kennt nicht alle. Sie lebt im Haus direkt neben ihrer Tante Carol Allen und ihrer 15-jährigen Nichte Olivia. Während Sela es hasst, im Mittelpunkt zu stehen, liebt ihre Tante Carol es. Deswegen trägt sie auch eine auffällige pinke Strähne im Haar. Fast jeder im Dorf kennt Carol.
Auch Sela fühlt sich irgendwie zu Ben hingezogen. Heimlich wirft sie ihm Blicke zu, doch sobald er sie anguckt, tut sie so, als wäre sie beschäftigt. So richtig gesprochen haben sie auch noch nie miteinander, bis zu diesem Tag.
Ben bringt es einfach nicht übers Herz, zurück auf seinen Berg zu gehen, ohne Sela wenigstens zu informieren. Insgeheim wünscht er sich, dass Sela eine von den Personen ist, die diese Katastrophe überleben. Zusammen mit ihm.
Aber als er Sela einweiht, starrt sie ihn an. Anfangs glaubt sie, dass Ben zu den Durchgeknallten zählt, die sich aufs Ende der Welt vorbereiten. Sie ist hin- und hergerissen. Soll sie ihm jetzt glauben oder nicht? Doch ihr Bauchgefühl bestärkt sie darin, Ben zu vertrauen. Und so hat Ben ihr einen Vorsprung von 24 Stunden verschafft, bevor das komplette Chaos ausbricht.
Ben hat ihr noch ein paar Tipps gegeben, was sie unbedingt braucht, um über die Runden zukommen. Kurz darauf schaltet sie instinktiv die Benzinpumpen ab und schließt ihre Tankstelle, um sich zusammen mit ihrer Tante und Nichte vorzubereiten.
Gebannt sitzen sie vor dem Fernseher und warten auf irgendeine Nachricht. Doch zunächst kommt nichts und Sela ist erneut hin- und hergerissen. Aber als sie dann alle eine Notfallnachricht auf ihre Handys bekommen, beginnen sie gleich, alles Essen einzukochen. Wasser zu sammeln und letzte Besorgungen zu tätigen. Carol nimmt sogar noch eine gute Freundin bei sich auf, weil sie sonst niemanden hat. Die sich auch als unverzichtbare Stütze herausstellt.
Plötzlich beginnt der Kampf auf Leben und Tod. Während Europa, Russland und andere Länder fast ganz ins Chaos stürzen, kämpft China sich nach und nach zurück. Auch die USA verlieren viele Städte, aber kleinere Gemeinden kämpfen gemeinsam ums Überleben und trotzen dem Chaos. In dieser apokalyptischen Atmosphäre zeigt sich die Menschheit nicht nur von ihrer guten Seite, sondern auch von einer grausamen Seite.
Im Tal halten die Bewohner zusammen und helfen einander. Selas Tante Carol wird zum Oberhaupt gewählt und organisiert zusammen mit Sela die Bewohner und die Aufgaben. Dabei stoßen sie immer wieder auf Besserwisser, Hindernisse und Saboteure.
Ein paar Tage nach dem katastrophalen Blackout patrouilliert Ben im Verborgenen im Tal. Immer wieder zieht es ihn zu Sela. Eines Nachts taucht er vor ihrem Haus auf. Sie sitzen einfach nur schweigend auf ihrer Veranda und schauen sich das Himmelsspektakel, die roten Polarlichter, an. Das angenehme Schweigen und die zufälligen, aber intensiven Berührungen bringen beide aus dem Konzept.
Auch wenn Ben alles tut, um so gut wie keinen Kontakt mit den Bewohnern von Wears Valley zu haben, so suchen sie seinen Kontakt. Sowie das ältere Paar, die Livingstons. Mary Alice, die sofort eine seltsame Verbindung zu Ben hat und ihn spontan zum Essen einlädt. Obwohl sie kaum was haben.
Ben ist es auch, der ihre Naivität nicht länger ertragen kann und ihnen ohne Filter sagt, wie die Lage ist. Und wie die Zukunft aussehen kann. Dass dieser Stromausfall nicht nur ein paar Tage anhalten wird, sondern länger dauern wird, als es allen lieb ist. Als das ältere Paar auch noch eines Nachts Opfer eines Raubüberfalls wird, steckt Ben ungewollt in zwischenmenschlichen Beziehungen fest.
Zu allem Überfluss läuft ihm auch noch ein halb verhungerter Welpe zu, den er bei sich aufnimmt. Nun übernimmt er doch Verantwortung für ein anderes Lebewesen.
Auch bei Sela ändert sich alles. Plötzlich steht sie doch im Mittelpunkt und muss über ihre Grenzen hinaus treten. Denn ihre Tante Carol hat sich das Bein bei einem Sturz im Haus gebrochen. Sela ist maßlos überfordert und hat Angst um die Bewohner.
Der Einbruch bei den Livingstons hat allen die harte Realität gezeigt. Vor allem, wie sehr das Tal und die Gemeinde in Gefahr sind. Also beschließt sie, über ihren Schatten zu springen, und fährt zu Ben auf den Berg. Sie bitten ihn um Hilfe, doch er lässt sie eiskalt abblitzen. In ihrer Not bietet sie ihm für seine Hilfe eine intime Gegenleistung.Ben ist beleidigt und lehnt ab. Doch als Sela ihm gesteht, dass auch sie echtes Interesse an ihm hat, ändert sich alles für Ben. Und so hilft er Sela beim Schutz des Tales und der Bewohner. Er führt sie durch eine wachsende Bedrohung innerhalb der Gemeinde. Unterstützt Sela, wo er nur kann, und schlittert unbemerkt immer weiter in die Gemeinde, in Selas Familie und in Selas Herz herein.
Welches Thema wird im Buch angesprochen?
Die Geschichte „Bedrohliche Gefühle“ spricht unterschiedliche Themen an. Die aber sehr aktuell sind. Zum einen haben wir die Katastrophe, den Sonnensturm, der die Welt mal eben innerhalb von 48 Stunden zurück in die Steinzeit befördert. Was ein sehr aktuelles Thema ist, denn dieses Jahr gab es schon einen Blackout in Spanien.
Glücklicherweise nur für ein paar Tage. Aber schon da versanken die Städte und Leute im Chaos. Es gab Panikkäufe und auch Plünderungen. Es hat auch gedauert, bis das Stromnetz wieder problemlos lief.
Vor ein paar Wochen gingen Bilder herum, auf denen man die Sonne mit riesigen Flecken gesehen hatte, die viermal so groß waren wie die Erde. Und am 12./13. November gab es auch wieder einen leichten Sonnensturm, der vereinzelte Störungen bewirkte.
Also, wie ihr seht, es ist nicht nur ein interessantes Thema, sondern auch ein aktuelles.
Weitere Themen sind Gemeinsamkeit, Freunde, Zusammenhalt, Achtsamkeit, Empathie und Liebe, die hier ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.
Was hat gut, was weniger gut funktioniert?
Eigentlich gibt es kein, weniger funktioniert. Außer dass einem immer wieder das Wort „Schwanz, harter Schwanz“ etc. förmlich ins Gesicht gesprungen ist. 😂 Da hätten sich bei der Übersetzung noch ein paar Synonyme dazu gesellen können. Ansonsten war es aber auszuhalten.
Die komplette Geschichte ist stimmig geschrieben. Das Einzige, was für mich etwas zu dezent beschrieben wurde, war die Apokalypse selbst. Man hätte da vielleicht noch etwas mehr wagen können. Aber andererseits war das Kernthema hier die Liebe in bedrohlichen Zeiten. Also war dann die Dosis der Bedrohungen und Ausnahmesituationen treffend.
Was mich etwas gestört hat …
Schade fand ich jedoch, dass es so lange gedauert hat, bis Ben Sela begegnet ist. Dazwischen lag immer ein langer Abstand. Als Leser fiebert man ja genau diesen Momenten entgegen. Da hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl, dass ich verhungere. 😁 Was aber auch als Kompliment an die Autorinnen geht. Denn man wollte das Buch einfach nicht aus der Hand legen.
Was super funktioniert hat …
Was sofort einen hereingezogen hat, war die Atmosphäre, die Stimmung zwischen den Bewohnern und im Tal und die Bedrohungen. Diese anfänglichen Zweifel, das Misstrauen und die gegenseitige Beobachtung der Bewohner: Was passiert hier gleich?, sind super getroffen. Da hat man als Leser gleich das Gefühl: Oh, hier kippt jeden Moment die Stimmung. Aber dann raufen sie sich doch wieder zusammen. Und halten und arbeiten gemeinsam für eine bessere Zukunft. Nach dem Motto: Wir gegen den Rest!
Dieses Gemeinschaftsgefühl wird nicht nur gut dargestellt, sondern man spürt es beim Lesen. Vor allem im Verlauf der Geschichte, wenn auch die Letzten sich der Gemeinschaft anschließen, um das Tal in Zukunft noch besser zu schützen, ist es noch mal sehr berührend.
Die Figuren geben den Ton an …
Die Figuren in der Geschichte sind toll durchdacht. Jede von ihnen entwickelt sich im Verlauf der Geschichte, was nicht immer zutrifft. Natürlich bin ich begeistert, wie sich Ben und Sela in der ganzen Situation entwickelt haben. Vor allem gefällt mir aber, wie sie miteinander harmonieren.
Obwohl Sela in schwierigen Momenten seinen Beistand sucht, gibt Ben ihr dennoch Raum, selbst zu entscheiden und zu handeln. Beide respektieren sich und ihre Marotten. Sie geben sich Freiheit und vertrauen einander. Das ist Gold wert in einer Geschichte wie dieser.
Auch Bens Verwandlung vom Eigenbrötler zur Führungsposition in der Gemeinde ist nur logisch. Denn wenn er Sela wirklich will, dann bekommt er sie nur zusammen mit ihrer Familie und der Gemeinde.
Fazit:
Das Buch „Bedrohliche Gefühle“ ist ein gelungenes Gemeinschaftsprojekt zweier Autorinnen. In dieser Geschichte wird man kein einziges Mal herauskapituliert. Alles ist fließend, ohne dass man merkt: Ah, hier hat Autorin A geschrieben und hier Autorin B. Nein, das ist ihnen als Team außerordentlich gut gelungen.
Am Anfang denkt man noch: Oh wow, ein Dystopieroman. Aber schnell wird klar, so einfach ist es dann doch nicht. Ich bin wirklich froh, dass ich dieses Buch gefunden habe. Es ist eine Geschichte, die dich von Anfang an fesselt. Man kann sich gleich mit den Figuren verbinden und bekommt nicht genug von ihnen.
Das Schöne ist, dass man in keiner Sekunde denkt: Boah, ist Ben ein Arsch. Der lässt ja die Gemeinde vor die Hunde gehen. Im Gegenteil, man versteht, warum er so handeln muss. Auch Olivias Entwicklung ist überraschend, aber positiv. Weil sie mit diesem typischen Klischee: Jugendliche sind nur faul und taugen nichts, bricht.
Ich bin wirklich begeistert von dem Buch. Danke für diese tolle Geschichte. Dafür gibt es 4,5 von 5 Sterne. Einen halben Stern ziehe ich ab, weil mich noch nachts das Wort „SCHWANZ“ anschreit. 😉😂
Also, Wölfe. Was lest ihr denn so?
Eure Pauli Wolf 🐺
AUUUU 🐾
